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Erstreaktion für Beweissicherung bei Computern
Im Falle einer Untersuchung müssen Sie schnell reagieren. Es
bleibt so gut wie keine Zeit, sich über das Vorgehen zu diesem
Zeitpunkt Gedanken zu machen. Wenn ein Angriff stattgefunden hat oder
noch andauert, könnte es gut sein, daß der Angreifer (ggf.
mit automatisierten Tools) gerade zum Zeitpunkt Ihres Eintreffens
seine Spuren verwischt. Oder das angegriffene System wurde derart in
Mitleidenschaft gezogen, daß ernste Schäden drohen, die
eine weitere Verwendung von Beweisen später unmöglich
machen. Gleichfalls möglich ist, die ein oder andere logische
Bombe darauf wartet, ausgelöst zu werden oder weitere Gefahr für
Drittsyteme von dem aktuellen System ausgeht.
Planung
Was müssen Sie beachten? Welche Maßnahmen können
Sie planen? Die folgende Liste soll einen ersten Einblick darüber
geben, was an Vorgehen für eine Beweissicherung sinnvoll sein
kann.
HINWEIS: Diese Liste ist weder vollständig noch ohne
Weiteres im realen Betrieb nutzbar. Ohne fundiertes Wissen sollten
Sie KEINE der folgenden Maßnahmen vornehmen, wenn es Ihnen auf
eine ,,saubere'' Beweisführung oder auch nur auf Ihre Daten
ankommt! Ich übernehme KEINE GEWÄHR und LEHNE JEDE HAFTUNG
AB! Für eine ernsthafte und verantwortungsvolle Planung sollten
Sie sich von einem Spezialisten beraten lassen!
Zuerst müssen Sie wissen, um welches System es sich überhaupt
handelt. Versuchen Sie, das System so genau wie möglich
einzugrenzen. Ideal ist eine genaue Kenntnis des/der
PC/Server/Hardware, der/die in den Angriff verwickelt ist. Die
Erstsicherung von ganzen Netzen oder Teilnetzen ist hoch komplex und
durch eine Person (fast) nicht zu bewerkstelligen.
Haben Sie den zu untersuchenden Rechner identifiziert, können
Sie beginnen. Behalten Sie bei allem, was Sie von nun an tun, auf
jeden Fall die rechtlichen Aspekte im Auge (Beweisrecht, Datenschutz
usw.) und ziehen Sie einen (!) Zeugen hinzu. Horden von Ermittlern
haben den gleichen Effekt wie Bisonherden ...
Zuerst Tatort absichern!
Eigensicherung - aufgebrachte Beschuldigte neigen zu
unvorhergesehen Aktionen. Klingt lustig, ist es aber nicht!
Falls Fingerabrücke relevant werden können -
beachten Sie dies bei Ihrem Vorgehen. Tragen Sie Handschuhe, fassen
Sie so wenig Flächen an wie irgend möglich!
Verändern Sie so wenig am Tatort wie möglich; wenn
die Zeit bleibt, können Sie Fotos machen.
Verhindern Sie weitere Zugriffe auf das System. Das gilt
sowohl für physikalischen als auch logischen Zugriffe, z.B.
durch Netzwerk- oder Telefonkabel.
Sollte der Nutzer noch an dem System arbeiten, fordern Sie
ihn sofort auf, das Büro/den Raum zu verlassen. Sollten Sie für
oder in einem Unternehmen arbeiten, ziehen Sie daher einen Vertreter
des Betriebsrates und/oder der Revision hinzu.
Sichern des Systems
Wenn das System abgeschaltet ist - nicht starten!
Wenn das System aktiv ist UND es handelt sich um einen "einfachen"
Arbeitsplatzrechner:
Fotografieren Sie den Bildschirm, wenn möglich mehrfach.
Unterbrechen Sie die Stromversorgung, sowohl an der Steckdose
als auch am Rechner selbst. Die anderen Kabel sollten unverändert
bleiben!
Versiegeln Sie die Laufwerke.
Fotografieren Sie alle (!) Anschlüsse und wenn möglich
machen Sie eine Zeichnung, in der Sie die vorhandenen Kabel und
Stecker näher bezeichnen.
Bringen Sie Marker an allen Kabeln, Steckern, Hardware und
Komponenten an, die zum Zeitpunkt des Auffindens mit dem
betreffenden Gerät verbunden sind.
Wenn nötig, bereiten Sie den Transport vor
(Beschädigung/Veränderung vermeiden!).
Legen Sie einen Beweiszettel an.
Sorgen Sie für Schutz vor magnetischen Feldern, Sendern,
Hitze, Wasser usw.
Fotografieren Sie den Fundort weiträumiger. Versuchen
Sie, auf den Fotos viele Details und einen Eindruck der Situation zu
vermitteln, in der das System angetroffen wurde.
Sperren Sie den Raum bis zur Freigabe durch einen
Verantwortlichen ab!
Wenn das System aktiv ist UND es handelt sich um einen wichtigen
Arbeitsplatzrechner oder einen Server, der für ein Netzwerk von
gehobener Bedeutung ist oder der eine für das Geschäft
wichtige Funktion hat:
Klären Sie das Vorgehen final mit dem zuständigen
Administrator ab. (Grundsätzlich sollte das bereits geschehen
sein - aktuelle Rückfragen haben aber noch nie geschadet!)
Fotografieren Sie Büro, Computer, Kabel und vor allem
Monitor.
Versiegeln Sie die Laufwerke und achten Sie darauf, daß
keine Kabel oder Geräte gesteckt oder getrennt werden, wenn
dies nicht unbedingt notwendig für die Aufgabe des Systems ist.
Organisieren Sie zusammen mit dem zuständigen
Administrator den Zugriff auf das System.
Legen Sie das Vorgehen fest und
ziehen Sie einen Zeugen hinzu,
versuchen Sie das System zu verstehen,
suchen Sie im laufenden System nach Hinweisen,
machen Sie von allen relevanten Informationen Fotos UND
Bildschirmfotos und
drucken Sie aus, was relevant sein könnte.
(c) RA Henrik Becker 2002
- 2006
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